Graue Briefe für den Beitragsservice

eine Geschichte zum Jahreswechsel

Der Graue Brief
So was aber auch, schon wieder Post vom Beitragsservice? Naja, ist ja der Vierte  dieses Jahr. Ob da jetzt jemand wunde Finger am Kopiergerät hat? Blasen an den Füßen vom Laufen zur Poststelle, um die lästigen Einschreibebriefe abzuholen und zu quittieren...., die armen Seelchen - da  sollte man doch, nein - da muss man doch geradezu....., endlich mal den Bedauernswerten eine Antwort schicken, ist ja sogar ein Kuvert für die Antwort beigefügt...,
frisch gewagt, ist Zuneigung gewonnen....:

Sehr geehrte Mitarbeiter des Beitragsservice von ARD/ZDF und Deutschlandradio!
Heute möchte ich meinem tiefen Bedauern nachdrücklich Ausdruck verleihen, dass gerade Sie, der Sie jetzt dieses Schreiben in den Händen halten - so einer frustrierenden, unendlich öden, wohl nur von einem Bruchteil der Bevölkerung wirklich geschätzten, Tätigkeit nachgehen müssen.


Sicher, jeder muss ja mit irgendeiner Beschäftigung seinem Brötchenerwerb oder auch sonstigen lebensunterhaltsförderlichen finanziellen Mittelbeschaffungsmassnahmen nachgehen, doch ausgerechnet diese Tätigkeit? Dem Vernehmen nach, bis zu 90 000 Anrufe täglich entgegennehmen? Oftmals darunter sehr beleidigende, gar unflätige Anrufe von undankbaren Kunden! Dann all die Briefe in Kuverts eintüten und zum Versandt schaffen, in 93 oder gar 94,6 % der Fälle lediglich Ignoranz als einzige Reaktion darauf erhaltend? Vielleicht müssen Sie Ihre Tätigkeit sogar im Familien und Freundeskreis verheimlichen, aus Schamhaftigkeit, weil dadurch Abbruch der sozialen Beziehungen, gar Handgreiflichkeiten die Folge sein könnten?
Stetig am Rande des psychischen Zusammenbruchs agierend, da Ihre Institution personell ständig unterbesetzt ist...! Es ist aber auch so was von unfair, lediglich 250 Mitarbeiter neu einzustellen, um ein Millionenheer undankbarer Ignoranten  in willige Beitragszahler zu verwandeln! Da haben die Entscheidungsträger in der Politik aber auch gar nicht gründlich nachgedacht! Da müssen doch mindestens noch 1000 weitere Neumit- und Sachbearbeiter eingestellt werden! Wie soll  das Heer der Aufmüpfigen und Widerborstigen denn sonst bekehrt werden! Erziehungseinrichtungen, Kulturberieselungslager, Schulungslehrgänge müssten da her -  die alle Unbekehrbaren an den Vorzügen  des ö.r.Rundfunksystems teilhaftig werden lassen!!
Wie jetzt, dass geht nicht...? Wegen der Demokratie...?
Herrschaft geht vom Volke aus, in dem es seine Würdigsten frei wählt...?
Freeeeiiiii wäääähhhlt....?
Aber das haben wir doch gerade in Bezug auf das demokratische Rundfunksystem  endlich erfolgreich abgeschafft...?!
Wie kommen wir da jetzt raus aus der Misere?
Also wenn das jetzt Ihr Gewissen belastet, da kann Ihnen doch glatt geholfen werden!
Sprechen Sie mit Ihren Mitarbeitern, Vorgesetzten über diesen Brief. Oder gehen Sie zum psychologischen Beratungsdienst, da ist bestimmt was wie „Burnoutsyndromdiagnose“ drin. Oder bleiben Sie einfach mal länger zu Hause, wenn Sie eigentlich in der Beitragsservicezentrale hocken sollten. Muss ja nicht gleich den ganzen Tag sein. Fangen Sie mit 10 Minuten Abwesenheit Montags an, steigern Sie allmählich bis zum Wochenende auf 1 Stunde Abwesenheit. Die darauf folgende Woche auf 2 Stunden Abwesenheit ausdehnen...., in 10 Wochen ist das Burnoutsyndrom weg, der Adrenalinspiegel hat sich wieder auf Normalwerte beruhigt und Sie können sich voller Enthusiasmus und Tatkraft auf die Suche nach einem wirklich anerkannten, kreativen Brötchenerwerb begeben. Das Jahr hat 365 Tage, eine lange Zeit, den ersten Schritt zu tun. Man muss natürlich losgehen,  der erste Schritt fällt erfahrungsgemäß am schwersten.   
Ich wünsche Ihnen dazu natürlich viel Erfolg und das nötige Durchhaltevermögen,
mit den allerfreundlichsten Grüßen
Hochachtungsvoll, Ihr säumiger Beitragszahler

So, jetzt aber ab damit zur Post, damit die freudige Botschaft noch rechtzeitig zum Neuen Jahr zugestellt werden kann.

 

 

https://www.dropbox.com/s/gyxlukt7gy1r2tg/Graue%20Briefe%20f%C3%BCr%20den%20Beitragsservice.pdf